Helwig v. Buseck

und die Frage seiner Vaterschaft

Auf Grund der zahlreichen Anfragen zur Abstammung Helwigs v. Buseck, denn seine Tochter Christina ist für viele Familienforschern die Möglichkeit eines Einstiegs in den Adel, stellen wir an dieser Stelle eine von mir zusammengestellte Ahnenliste (ohne Gewähr) zur Verfügung. Diese Ahnenliste endet bei der Ehe zwischen König Heinrich von Frankreich mit Anna von Kiew. An diesem Punkt setzt eine von Lupold v. Lehsten erstelle Ahnenliste ein. Das beide Listen mit der gebotenen Skepsis und den Unsicherheitsfaktoren, die Abstammungen über solch einen langen Zeitraum bergen, zu betrachten sind, versteht sich von selbst!

Mit Vorfahren die dem Adel angehörten bietet sich die Möglichkeit seine Ahnenliste deutlich weiter in die Vergangenheit fortzuführen, als dies in der Regel bei bürgerlichen Ahnen der Fall ist.
Zur Freude vieler Familienforscher wird den Nachfahren der ersten Ehe des Matthäus (Matthes) Stein dem Jüngeren aus Beuern 1FB Beuern Nr. 1152 der genealogische Einstieg in den Adel geboten.

Eine Akte des Staatsarchivs Darmstadt 2HStAD E 12 Nr. 15/10 weist den Weg. Matthäus Stein der Jüngere hat, vor Beginn der Kirchenbuchaufzeichnungen in Beuern geheiratet. Das Kirchenbuch in Beuern überliefert uns aus späteren Pateneinträgen nur den Vornamen seiner Frau „Christina“, ihr Geburtsname fehlt. Die Akte im Staatsarchiv Darmstadt enthält einen Brief zu einem Erbschaftsstreit zwischen Wilhelm Christoph v. Buseck und Matthäus Stein dem Jüngeren im Namen seiner Frau aus den Jahren 1662 – 1664. Matthäus Stein d. J. hat Anspruch auf den seiner Frau zustehenden Erbteil des Helwig v. Buseck erhoben. Zur Begründung des Anspruchs wird angeführt Christina sei eine leibliche Tochter des Helwig v. Buseck.

Helwig v. Buseck, ein Sohn Wilhelm Reinhards v. Buseck, nahm als Lieutenant am 30jährigen Krieg teil. Er fiel im Jahre 1636 bei der Schlacht vor Wittstock, einer Kreisstadt in der östlichen Pri(e)gnitz in Brandenburg. Helwig v. Buseck starb unverheiratet. Allerdings hatte er vor seinem Tode noch eine Tochter, mit einer uns namentlich nicht bekannten Frau, gezeugt. Diese Frau kam nach dem Tode Helwigs mit ihrer Tochter nach Beuern, zur Familie Helwigs v. Buseck. Dort nahm man sich der Frau und des Kindes an. Es scheinen also kaum Zweifel an der Vaterschaft Helwigs bestanden zu haben. Vielleicht hatte das Kind eine starke Familienähnlichkeit mit Helwig und seiner Familie. Jedenfalls wurde das Kind, obwohl man über die Mutter in der Akte nichts Gutes  berichtet, von der Familie v. Buseck unterhalten.

Auch wenn die Akte die Vaterschaft Helwig v. Buseck in Frage stellt, das Gericht entscheidet für Matthes Stein und seine Frau. Christina Stein ist somit laut Gericht die leibliche Tochter Helwigs v. Buseck und alle von ihr abstammenden späteren Personen haben hier, für ihre Ahnenliste, den Einstieg in den Adel. Über die väterliche Seite Helwigs sind wir in einem Hauptstamm der Familie v. Buseck und kommen gesichert bis zur Ehe Ulrich v. Buseck mit Gertrud v. Kalsmunt 3erwähnt im Jahre 1385 zurück.

Helwigs Mutter war Maria v. Lehrbach, eine Tochter des Dietrich v. Lehrbach 4HStAD E 12 201/3, Blatt 35r und Blatt 37v und der Julianna Riedesel zu Josbach 5Wagner. Eine Tochter aus dem heimischem Adel, deren Ahnentafel viele bekannte Adelsgeschlechter aufweist.

Die Mutter von Helwig v. Buseck war lange Zeit strittig. Ältere Stammtafeln führen eine Anna Margaretha v. Berlichingen als Mutter Helwigs und als Ehefrau Wilhelm Reinhards v. Buseck an. Für eine Ehe Wilhelm Reinhards v. Buseck mit einer Anna Margaretha v. Berlichingen ließen sich bisher keine Belege finden. Wohl belegt ist eine Ehe Wilhelm Reinhards v. Buseck mit Maria v. Lehrbach. Beim Schwur auf die Ganerbschaft der beiden Brüder Helwig und Georg Philipp von Buseck im Jahre 1611 6HStAD F 28 Nr. 124 Bl. 4 bestätigen zwei aus heimischen Adelsgeschlechtern stammende Zeugen eidlich, dass die beiden Brüder Georg Philipp und Helwig v. Buseck Söhne der Maria geborene v. Lehrbach seien. Somit wäre die Frage nach der Mutter des Helwig v. Buseck unstrittig gelößt.

Laut dieser Aufzählung von Zeugenaussagen hat Helwigs Regiment ein Haus bei Hildesheim belagert, als sein Knecht der Schwartze Jean im Wirtshaus eine Frau  traf, welche die dänischen Soldaten sitzen gelassen hatten. Diese Frau wurde später Helwigs Haushälterin und kam nach seinem Tode mit einem kleinen Mädchen nach Beuern, das sie als Helwigs Tochter ausgab. Sie blieb mit dem Kind in Beuern und nach ihrem Tode wurde es 16 Wochen von Matthäus Stein dem Älteren versorgt, bevor Helwigs Bruder 10 Jahre lang für sie sorgte. Es wird angezweifelt, das Helwig mit der Kindesmutter verheiratet war oder das Kind anerkannt hat. Von dem Mädchen  (Christina) wird berichtet, dass sie bereits zum zweitenmal schwanger war als sie diesen Kerl (Matthes Stein den Jüngeren) geheiratet hat.

Der Prozess wird zugunsten von Matthes Stein dem Jüngeren und seiner Frau Christina entschieden. Somit muss Wilhelm Christoph v. Buseck seiner Cousine 1/6 des Allodialerbes von Helwig v. Buseck auszahlen


Quellen:
HStAD = Hessischs Staatsarchiv Darmstadt

Literatur:
Lupold v. Lehsten: „Das Wissen von unserer Abstammung. Karl und Ramses die g/Großen (als) Ahnen Mitteleuropas“ in: Hessische Familienkunde 22/1995 Sp. 233 – 240
Hanno Müller – Philipp Lindenstruth: Familienbuch Beuern, Beuern 1998 – FB Beuern
Ernst Wagner: Die Riedesel zu Josbach und ihre Josbacher Stammgüter in Hessische Familienkunde Bd. Heft 1 Sp. 1 – 100 und S. 167 – 180 sowie Bd. 8 Heft 2 Sp. 65 – 70


  • 1
    FB Beuern Nr. 1152
  • 2
    HStAD E 12 Nr. 15/10
  • 3
    erwähnt im Jahre 1385
  • 4
    HStAD E 12 201/3, Blatt 35r und Blatt 37v
  • 5
    Wagner
  • 6
    HStAD F 28 Nr. 124 Bl. 4
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