Ausstellung zum 100. Todestag von Dr. Wilhelm Lindenstruth

am 24. und 25. März 2018 in Beuern

Dr. Wilhelm Lindenstruth (1885-1918) wurde 1885 in Beuern als jüngstes Kind des Landwirts Philipp Lindenstruth V. und seiner Ehefrau Elisabetha geb. Otto in der heutigen Untergasse 7 geboren.
Unweit seines Elternhauses begann für Wilhelm Lindenstruth seine „wissenschaftliche Karriere“ in der Beuerner Volksschule. Seine Leistungen müssen auffällig gewesen sein. Ab Anfang 1898 erhielt er vom Beuerner Pfarrer Otto Schulte zusätzlich Privatunterricht in Latein, Französisch, Rechnen und Geometrie. So vorbereitet konnte er zu Ostern 1899 in die Unter-Tercia des ‚Großherzoglichen Realgymnasiums zu Gießen‚ (heutige Liebigschule) wechseln.
Nach einem Studium der Geschichte, deutscher, englischer und Anfangs auch französischer Sprachwissenschaft, sowie Philisophie und Pädagogik in Marburg und Gießen promovierte er 1910 in Gießen und legte die Prüfung für das höhere Lehramt in Geschichte, Deutsch und Englisch ab.
Nur wenige Jahre arbeitete er als Lehrer in Bad-Nauheim und Idar-Oberstein bevor er 1918, gegen Ende des I. Weltkrieges in einer Schlacht an der Westfront, tödlich verwundet wurde.

Neben sechs Ausstellungstafeln, die durch das Leben und die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Wilhelm Lindenstruth führen, wurden einige Exponate gezeigt.

Das Ehepaar Lindenstruth mit ihren vier Kindern

Das Ehepaar Lindenstruth mit ihren vier Kindern
Wilhelm, Otto Heinrich, Friedrich Carl und Maria
(von hinten links).
Repro: Volker Lindenstruth, Beuern

Der besondere Verdienst von Dr. Wilhelm Lindenstruth liegt für uns darin, dass er als Erster die Geschichte des Busecker Tales, dieses kleinen Territoriums inmitten der Landgrafschaft Hessen, wissenschaftlich aufzuarbeiten begann.
Seine Doktorarbeit zum „Streit um das Busecker Tal erschien in zwei Teilen in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereines, Neue Folge (= MOHG NF) 18/1910 und MOHG NF 19/1911 veröffentlicht.
Diese Arbeit hat für die Beschäftigung mit der Geschichte des Busecker Tales bis heute nicht an Gültigkeit verloren. Wenn das Thema in moderner Fachliteratur (meist nur am Rande) behandelt wird, so greift man auf seine Arbeit als Quelle zurück.
Neben seiner Doktorarbeit publizierte Lindenstruth eine Anzahl kleinerer Aufsätze die sich zumeist ebenfalls mit der Geschichte des Busecker Tales, seinen Wüstungen oder Ortsnamensforschung beschäftigen.

Auswahl der Exponate der Ausstellung:
Vitrine 1:
Ein Zeugnis aus der Zeit auf dem ‚Großherzoglichen Realgymnasiums zu Gießen‚ zeigt seine Schwäche in Naturwissenschaftlen und Geographie, mit Stärken in Sprachen und Geschichte – seinen späteren Studienfächern. Seine fremdsprachlichen Stärken konnten in den damaligen Dorfschulen weder erkannt noch gefördert werden. Dies geschah damals in den kleinen Ortschaften durch Privatunterricht besonders begabter Schüler durch die örtlichen Pfarrer. Erst dieser Privatunterricht ermöglichte diesen Kindern den Wechsel auf weiterführende Schulen. Dieser Schulbesuch war zur Zeit von Wilhelm Lindenstruth für die Schüler der Dörfer eine Ausnahme. Die Lebensplanung der Kinder orientierte sich in der Regel an den Beschäftigungen der Eltern. So wurden die Jungen Landwirte oder Handwerker, während die Mädchen für den Haushalt und die Ehe erzogen und ausgebildet wurden.
Wohl durch die Freundschaft zu den ehemaligen Beuerner Pfarrer und Privatlehrer Otto Schulte, der 1906 nach Großen-Linden wechselte, lernte Wilhelm Lindenstruth seine spätere Frau Milli Gutermuth kennen. Emilie gen. Milli entstammte einer Fabrikantenfamilie in Großen-Linden mit der Lindenstruth bereits Jahre vor der Eheschließung freundschaftlichen Kontakt pflegte. Die Heirat der beiden 1913 fand als Doppelhochzeit mit Millis älterer Schwester und deren Verlobten statt. Den beiden Paaren war eine Hochzeitszeitung gewidmet.
Einige Bilder des Paares und Millis Eltern zeigen uns das junge Paar. Die Ehe der beiden blieb kinderlos. Nach Wilhelms Tod nahm Milli eine entfernte Verwandte ihres Mannes, Margarethe Otto aus Beuern, an Kindes statt an.
Neben der Sterbeanzeige findet sich in der Vitrine einer der zahlreichen Nachrufe auf Dr. Wilhelm Lindenstruth.
Lindenstruths unermüdliche wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte des Busecker Tales brachte ihn in Kontakt mit der damals noch in Gießen lebenden Familie v. Buseck. Diese Familie gehörte ehemals zu den Herrschern, der Obrigkeit im Busecker Tal. Ihr, inzwischen zum Teil im Staatsarchiv Darmstadt befindliches Familienarchiv, war für seine Arbeiten eine wichtige Quelle. Zwei Briefe in der Vitrine zeugen von dem Kontakt.

Karte vom 4. Dezember 1908

Karte vom 4. Dezember 1908:

Brief vom 1. Januar 1911 - Seite 1

Brief vom 1. Januar 1911:

Brief vom 1. Januar 1911 - Innenseiten

„Freitag
Von Montag an bin ich wieder Herrin meiner Zeit und bitte ich Sie mich wissen zu lassen wann Sie kommen wollen.
Mit bestem Gruß
Freifrau v. Buseck“

Brief vom 1. Januar 1911:
„Lieber Herr Doktor!
Eine große Freude haben Sie mir mit ihrer Sendung gemacht! Wie sehr interressiert mich Ihre Arbeit, eine ehrlich große Arbeit ist es. Von Herzen danke ich IHnen dafür und für die weiteren Werke die Sie meinem Natu gewidmet haben!
Ich hoffe Ihnen bald persönlich meinen Dank aussprechen zu können. Dank auch für Ihre Neujahrswünsche, die mein Sohn und ich herzlichst erwidern!
Mit bestem Gruß
Freifrau v. Buseck“

Ohne Vitrine,
werden die beiden Studentenmützen Lindenstruth und seine Promotionsurkunde ausgestellt. Daneben eine Auswahl seiner Schülerzeichnungen, die sein Talent in diesem Fach belegen.
Dazwischen erinnern die Artikel von Harald Klaus aus dem Jahr 2000 über das Leben und Wirken von Wilhelm Lindenstruth daran, dass die hier ausgestellten Exponate und zahlreiche Hinweise zu Lindenstruths Leben aus seiner Sammlung stammen.

Vitrine 2:
Befasst sich mit dem Druck seiner Doktorarbeit.
Als wäre das Verfassen einer Doktorarbeit nicht schon Arbeit genug, gehört in Deutschland zur Erlangung des Doktortitels die Veröffentlichung der Arbeit hinzu.
Lindenstruths Arbeit liegt mehrfach vor. Die Ursprungsversion legte er der Prüfungskommission der Universität vor.
Veröffentlicht wurde die Arbeit in den „Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereines“ 1910 und 1911. Hier war seine Arbeit ein Artikel unter mehreren im jeweiligen Heft und die Seitenzählung wurde innerhalb des Heftes fortlaufend weitergezählt. Zur Abgabe als Belegexemplare und Freundesgaben wurde die Arbeit nochmals separat, jedoch mit eigener Seitenzählung, gedruckt.
Was heute am PC eine relativ einfache Aufgabe ist, war zu Lindenstruths Zeit ein aufwendiges Unterfangen: Die Druckfertigstellung einer Arbeit.
Uns liegen in dieser Vitrine, neben den Endexemplaren, Korrekturfahnen (von Nachfahren seiner Geschwister dankenswerterweise zur Verfügung gestellt) in unterschiedlichen Stadien vor. Diese belegen die mühsame Arbeit während des Herstellungsprozesses einer druckfertigen Arbeit.
In dieser frühen Phase der Drucklegung steht das entgültige Seitenformat noch nicht zur Debatte. Die Einwände und Einarbeitungen in den Text sind noch umfangreich. Die späteren Fußnoten finden sich am Textabschnitt. Später werden sie an das passende Seitenende rutschen.
Neben dem Feilen an der Satzstellung und einer verfeinerten Wortwahl, geht es auch um die optische Erscheinung. Hier, auf dem Titelblatt, um einen größeren Zwischenraum zwischen Hauptüberschrift und Untertitel.

Zahlreiche Informationen finden sich auf den anklickbaren Ausstellungstafeln

Tafel 1: Herkunft und Ausbildung

Tafel 1: Herkunft und Ausbildung

Tafel 4: Publikationen

Tafel 4: Publikationen

Tafel 2: Studium

Tafel 2: Studium

Tafel 5: Lindenstruth als Lehrer

Tafel 5: Lindenstruth als Lehrer

Tafel 3: Geschichtsforschung in Kriegszeiten

Tafel 3: Geschichtsforschung in Kriegszeiten

Tafel 6: Der vernichtete Nachlass

Tafel 6: Rekonstruktion seines vernichteten Nachlasses

Wir hoffen, Sie haben auf diese Weise einen guten Eindruck unserer Ausstellung und zum Leben und Arbeiten von Dr. Wilhelm Lindenstruth bekommen!


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