Mittelsmühle (in Bearbeitung)

weitere Namen: unbekannt
Lage/Anschrift: Mühlweg 33, 35418 Buseck- Alten-Buseck
Zustand: stillgelegt xxx
Ersterwähnung:  um 1544
Infos: Wassermühle an der Wieseck

Wie so oft, lassen sich die Anfänge dieser Mühle nicht ermitteln. Es fehlt an Quellen.
Die erste Erwähnung die sich auf die heutige Mittelsmühle beziehen dürfte, wäre aktuell eine Steuerliste aus dem Jahr 1544 1HStAD E 12 Nr. 25/14.

Mittelsmühle

Mittelsmühle
(c) Heimatkundlicher Arbeitskreis Buseck e. V.

Jorge Moller gibt unter seinem Vermögen 100 Gulden Besserung für eine Mühle an. Das heißt, er hat eine Mühle gepachtet in/an der er für 100 Gulden Sanierungen, Renovierungen oder Neubauten vorgenommen hat. Diese 100 Gulden würde er bei Auslaufen des Pachtvertrages vom Eigentümer der Mühle erstattet bekommen. Jorge Moller ist 1544 die Person mit dem am höchsten zu versteuernden Besitz in Alten-Buseck. Ihm gehören noch Ländereien, Äcker und Wiesen Pferde, Schafe und Kühe. Zudem hat er laufende Einkünfte aus Gülten und eine kleine Barschaft.

Um welche Mühle es sich bei der 1544 erwähnten handelt, müssen wir aus einer Erwähnung von 1553 erschließen. Hartmann v. Buseck gen. Rüßer und seine
Ehefrau Veronika verkaufen in diesem Jahr einen Acker bei „Jorg Mollers Moln gelegen, obendigk Tro uff dem Hirz Weg und ist ein Anwender, stosset auch mit
einer Acker widder Jorgen Mollers garten und unden uff die Roden Moln
2HStAD E 14 G Nr. 25/1 Blatt 272r. Der Beschreibung nach liegt die Mühle von Jorge Moller oberhalb von Trohe, und in der Nähe der Roden Mühle (womit hier wohl die Romsdorfer = Großmühle gemeint sein dürfte).

Die früheste Nennung des Namens Mittelsmühle stammt aus der Abendmahlsliste des Kirchenbuches Alten-Buseck und Trohe aus dem Jahre 1657. Es erschien „des mittelst müller filia“ zum Abendmahl. Weitere Angaben wie ihr Name, oder der ihres Vaters fehlen.
An diesem kleinen Abschnitt der Wieseck in der Alten-Busecker Gemarkung und Trohe, lag die Mittelsmühle zwischen Groß- und Troher-Mühle.
Bis kurz vor dieser Erwähnung im Kirchenbuch 1657 gehörten alle drei Mühlen Vertretern einer Adelsfamilie. 1655 hatte Ulrich Eberhard v. Buseck die Troher Mühle, die seine Frau etliche Jahre zuvor als Mitgift mit in die Ehe gebracht hatte, verkauft.

In einem Dorfbuch („Volkszählung“) 1630 gehören zwei Mühlen Caspar Philipp und Hans Adam von Buseck – den Brüdern des Ulrich Eberhard von Buseck. Beide Brüder bewohnen ihre Mühlen 1630. 1635 verstirbt Caspar Philipp mit seiner Familie innerhalb einer Woche auf der Großmühle an der Pest. Sein Erbe wird der Bruder Ulrich Eberhard von Buseck. Aufgrund der späteren Besitzgeschichte der Großmühle ist die Zuweisung dieser Mühle an Caspar Philipp ziemlich sicher.
Der Bruder Hans Adam, der 1630 ebenfalls eine der Mühlen bewohnt, bewohnte demnach die Mittelsmühle. Seine Mühle hatte 1630 ein Mahlrecht nach Steinbach und Garbenteich. Eben jenes Mahlrecht wird bereits 1602 erwähnt, als ihn der Vater der drei Brüder Hans Philipp von Buseck von Landgraf Ludwig ertauscht. 1620 beklagt er sich über Streitigkeiten wegen jenes Rechtes.

Eigentümer

Die Müller

Im Jahre 1670 heiratet Catharina, des Baltzer Möllers in der mittelsten mühle Witwe, Johan Caspar Damm.
Catharina, eine geborene Keßler hatte 1655 Baltzer Möller, Hartman Möllers Sohn, geheiratet und wurde 1667 dessen Witwe. Der Ehe entstammten sieben Kinder, doch kein Kirchenbucheintrag nennt uns Baltzer als Müller. Lediglich der Hinweis bei der zweiten Eheschließung seiner Witwe.
Die in der Abendmahlsliste 1657 genannte Tochter des Mittelstmüller kann kein Kind dieser Ehe sein, da erst nach der Konfirmation am Abendmahl teilgenommen werden konnte. Die dort aufgeführte Tochter müsste demnach 1643 oder früher geboren sein. Eventuell handelt es sich dabei auch um Baltzers Schwester.
Baltzer Möller war ein Sohn von Hartmann Möller, der ab 1620 für Alten-Buseck genannt wird, aber nie als Müller.
Die nächste Nennung der Mittelsten Mühle stammt aus dem Jahr 1671. Catharina, des mittelsten Müllers Hausfrau ist Patin bei einem Kind von Georg Hormel, dem Troher Müller. Baltzer Möllers Witwe Catharina ist 1671 mit Johann Caspar Damm verheiratet. Wenn es sich um sie handelt, dann hätte ihr zweiter Mann das Müllerhandwerk auf der Mühle übernommen. Doch nicht lange.

Johann Caspar Detsch mit Familie taucht in Alten-Buseck ab 1674 auf 3Kirchenbuch Alten-Buseck und Trohe – Abendmahlslisten. Doch erst 1681, bei der Heirat eines Sohnes Johann Philipp, wird er erstmals mit dem Zusatz ‚Mittelstmüller’ geführt. Mit Johann Philipp Detsch scheint die Mittelstmühle ein richtiges Familienunternehmen geworden zu sein. Statt einer Erbteilung finden wir  mehrere seiner Kinder und Schwiegerkinder auf der Mühle.
Sein ältester Sohn, Johann Caspar, stirbt kurz vor dem Vater und hinterlässt eine Frau und zwei Töchter. Seine Witwe heiratet Johann Philipp Kahl, der in Zukunft genauso als Mittelstmüller auftaucht, wie auch der gemeinsame Sohn Wilhelm.
Eine Tochter von Johann Philipp heiratet Johann Philipp Becker von Lollar. Auch er erscheint über mehrere Jahre als Mittelstmüller.

Eine der jüngeren Töchter von Johann Philipp Detsch, Maria Clara heiratet in erster Ehe Johann Philipp Müller aus der Troher Mühle. Er wird in der kurzen Ehe nie als Mittelstmüller erwähnt. Nach seinem Tod heiratet Maria Clara in zweiter Ehe Johann Caspar Schön. Kurzfristig ist er auf der Weißmühle in Großen-Buseck, doch dann ist er Mittelstmüller, gemeinsam mit Joh. Philipp Kahl. Während Joh. Philipp Kahls Enkel die Mittelstmühle irgendwann verlassen, bringt Joh. Caspar Schöns Enkeltochter Elisabeth die Mühle mit in ihre Ehe mit Johannes Lenz aus Allendorf an der Lahn. Das Kirchenbuch in Allendorf/Lahn 4eine Abschrift erhalten am 19. Mai 2001 von Philipp Lindenstruth, Beuern erzählt uns als Ergänzung zum Heiratseintrag folgende Geschichte:

Nota: Weilen die Braut des vorstehenden Joh. Lenzen am Fuß Mangel hatte und überhaupt klein und gebrechlich war, wollten sie erst gerne von mir in der Mühle copuliert seyn, allein es wurde ihnen von dem H. Superintendenten Bener abgeschlagen. Hierauf wurde der 16. Febr. Donnerstags, da ich zugleich meine Wochenpredigt zu halten, angekündigt hatte, zur hochzeitlichen Copulation bestimmt und sollte die Braut in meiner Chaise in die Kirche geholt werden. Als ich bei die Lugmühle kam, kamen mir zwei Männer zu Pferd entgegen gejagt, nämlich Volck aus der Braunfelser Mühle, wie auch der Braut Vormund, thaten Einspruch, weil sie jetzt erst gesehen, daß in den Ehepakten ein Umstand ausgelassen wäre, sie hätten mämlich abgeredet gehabt, daß der Bräutigam nach seiner Braut Tod, auch ohne Leibeserben die Mühle behalten und nur ihr mütterliches Vermögen an die Anverwandten gehen sollte. Dieses sei ganz ausgelassen. Ich stellte also die Copulation zurück, bis sie die Ehepakten auf beyden Seiten abgeändert und aufs neue confirmiert haben. Am folgenden Freitag als dem 17. Febr. war ich just zu Gießen, wo ich abgeholt wurde, weil die Hochzeitsgäste schon 2 Tage beisammen waren. Ich kam bey einbrechender Nacht nach Allendorf und copulierte dieses Paar nach vorgezeigter aufs neue confirm. Ehepakten und wurde mir mit einem Gang Öllicht dazu geleuchtet. – Es schien überhaupt mehr um die Mühle als um die Braut zu gehen.“

Der Passus, dass Lenz die Mühle auch ohne Leibeserben behalten durfte kam schnell zur Anwendung. Die junge Braut verstarb bereits 4 Monate nach der Eheschließung. Der Witwer heiratete 1767 erneut, doch auch diese Ehe brachte ihm keine Kinder. Sein Neffe, der Sohn seines Bruders, übernahm später die Mühle und erst mit der Heirat seiner Enkeltochter Dorothea Lenz kam ein neuer Name auf die Mühle. Sie heiratet Ludwig Bingel, einen Gastwirtssohn aus Sichertshausen. Das Ehepaar hatte 4 Kinder, von denen drei lange auf der Mühle blieben. Die Tochter Karolina heiratete einen Metzgerssohn aus Weilburg, der Geschäftsführer auf der Mühle wurde. Die wechselvolle und stürmische Geschichte ihres Bruders Heinrich diente Heinrich Nauman zur Vorlage für eine Erzählung 5Naumann. Die Familie kann die Mühle nicht halten. Sie wechseln auf die Neumühle bei Beuern, die sie auch wieder abtreten müssen. Doch dem Bruder Ludwig  gelingt es, sie noch einmal in Besitz zu bringen.

Das Brandkataster 1880 6Hans, S. 223 weist Heinrich Bingel aus Sichertshausen und Karl Geissler aus Lollar als Besitzer der Mittelstmühle aus. Bei Karl Geissler handelt es sich um einen Neffen vom älteren Ludwig Bingel. Da er aus Sichertshausen stammt, wird Heinrich Bingel ebenfalls ein Verwandter sein. Sie dürften für Schulden der Familie gebürgt haben.

Es folgen wechselvolle Jahre auf der Mittelstmühle, innerhalb kürzester Abstände finden sich verschiedene Besitzer. Das Gelände wird geteilt. Eine Molkerei Buseckerthal wird dort betrieben, die Schuhfabrik Armenia ist im Gebäude beheimatet. Fritz Eschstruth betreibt auf einem Teil des Geländes im Jahre 1906 eine Wirtschaftshalle mit Kegelbahn und Pavillion. Die Wirtschaft bestand auch noch 1937 fort, als Wilhelm Rübsamen die Ländereien wieder vereinte.
Heute ist auf einem Teil des Geländes ein Reiterhof.


Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
Archivgut der evangelischen Kirchengemeinde Alten-Buseck und Trohe

Literatur:
Günter Hans, Buseck. Seine Dörfer und Burgen. Buseck 1986
Heinrich Naumann: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Eine Erzählung aus dem Volksleben. Herborn [1913]


  • 1
    HStAD E 12 Nr. 25/14
  • 2
    HStAD E 14 G Nr. 25/1 Blatt 272r
  • 3
    Kirchenbuch Alten-Buseck und Trohe – Abendmahlslisten
  • 4
    eine Abschrift erhalten am 19. Mai 2001 von Philipp Lindenstruth, Beuern
  • 5
    Naumann
  • 6
    Hans, S. 223
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