Friedrich Franz Ludwig v. Buseck
„Amand v. Buseck“
(PN 1040)

Familienübersicht auf Tafel Epp. a

Vater: Philipp Franz Edmund v. BuseckMutter: Maria Antonia Amalia v. Fechenbach
Geboren: 2. Februar 1685 in EppelbornGetauft:
Verstorben: 4. Dezember 1756 in der Fasanerie in EichenzellBestattet: 13. Dezember 1756 im Fuldaer Dom
Ordensname: Amand v. Buseck

Zur Person:

Im Kirchenbuch von Salmünster findet sich der Eheschließungseintrag der Eltern von Friedrich Franz Ludwig unter dem Datum vom 1. Mai 1684.
Diese Eheschließung erkennen die Ganerben des Busecker Tales nicht an, als es um die Aufnahme von Amand und seinen Brüdern in die Ganerbschaft geht. Es ist die Tatsache, dass seine Mutter zuvor mit dem Onkel seines Vaters verheiratet gewesen war, die in den Augen der Ganerben diese Ehe nicht gültig sein lässt. In ihren Augen war es Blutschande, wegen zu naher Verwandschaft.
In einem langen Prozess 1HStAD E 12 Nr. 29/12 wehren die Ganerben des Busecker Tales sich gegen die Aufnahme der – für sie – unehelichen Söhne des verstorbenen Philipp Franz Edmund v. Buseck in die Ganerbschaft des Busecker Tals neben der nahen Verwandschaft begründeten sie die Nichtaufnahme auch mit der bürgerlichen Herkunft ihrer Großmutter väterlicherseits (v. Mosbach). In einem Schreiben seines Onkels Bonifatius v. Buseck verweist dieser darauf, dass die Kinder später voll legitimiert wurden und den Geburtsstatus „ehelich“ erhalten haben.

In der Akte 2HStAD E 12 Nr. 29/12, Blatt 25 heißt es:
Specius facti
Eß hat Weylandt Hr Philipß Frantz von Buseck
zu Eppelborn in Lothringen, seines Vatters
bruderß seel. nachgelaßene Wittwe, Mariam
Anthoniam Ameliam von Fechenbach wißentlich
ohne Dispensation, geraume Jahr in Lothringen,
alß ein Eheweib bey sich gehabt, undt mitt Ihr con=
frasciret, und 4 Söhne per incestum erzeuget, her=
nach aber, da Ihme das gewißen aufgewacht undt
besaget, Er möchte wegen dieser cohabitation, undt
so langer Jahre betriebener bluthschande, endtlich zu
schwehrer bestrafung gezogen werden, hat Er per
supplicam bey dem Papst circa annum 1688 veste
umb dispusation angehalten, undt wie zuver=
muthen, die wahr beschaffenheit und umbstände
verschwiegen, auch endtlich sub et ….. bey=
liegende …. dispensation, die wir origina=
liter noch nicht gesehen, à Vicario Pontificus
erhalten; …


so die Darstellung der Ganerben.
Sie argumentieren das im lutherischen Busecker Tal und im lutherischen Hessen eine Ehe zwischen so nah verwandten Personen keine Rechtsgültigkeit erfahren würde. Am Ende verlieren die Ganerben den Rechtsstreit. 1705 werden die Adelsatteste für die 4 Brüder abgelegt. Amand beschwört 1712 seine Aufnahme in die Ganerbschaft des Busecker Tales 3in HStAD Bestand B 14 Nr. 65 Bl. 4 , obwohl er und seine Brüder bereits in einem Schreiben von 1706 nach Wien unter den Ganerben genannt werden 4HStAD Bestand B 14 Nr. 120.

Friedrich Franz Ludwig war unter dem Namen Amand von Buseck der erste Fürstbischof in Fulda.
Sein Werdegang in Kürze:
– 1695 kam er zu seinem Großonkel Bonifatius v. Buseck nach Fulda 
– 1697 Beginn der Studien am Fuldaer Jesuitengymnasium
– 1700 wird er zum Pagen des Abts Adalbert v. Schleifras
– 1704 Eintritt in das Stift Fulda
– 1705 Profeß
– 1708/9 Priesterweihe in Erfurt
– 1710 Aufnahme in das Kapitel des Stifts Fulda
– 1724 Wahl zum Dekan des Stifts Fulda, damit auch Probst von Neuenberg
– 1728 Ernennung zum Titularbischof von Themiscyra und Weihbischof in Fulda
– 1736 Rector Magnificus der Universität Fulda
– 1737 Wahl zum Fürstabt von Fulda
– 1738 päpstliche Bestätigung der Wahl
– 1739 kaiserliche Bestätigung der Regalien
– 1752 Ernennung zum Fürstbischof, nach der Erhebung der Abtei Fulda zum Bistum Fulda

Amand unternahm nach Aufnahme in das Stift zahlreiche Reisen, so u.a. 1715 eine Studienreise nach Holland, Flandern, Paris, Lothringen und das Elsaß. Sein Interesse galt der Architektur, der Gartenkunst und der Genealogie. Das Staatsarchiv Marburg hat im Nachlass Amand von Busecks eine große Sammlung Genealogischer Notizen zu verschiedenen Adelsgeschlechtern. Die Daten und Verbindungen sind für Genealogen allerdings nur bedingt von Nutzen. Amand hat Zeichnungen vieler Grabsteine hinterlassen, die heute einen unschätzbaren Fundus für Familienforscher darstellen.

Mit der Wahl zum Stiftsdekan wurde er verstärkt in die weltlichen Geschäfte des Stiftes eingebunden. Beim Antritt seines Amtes als Fürstabt übernahm er die Schulden seiner Vorgänger. Ein großes Verdienst von ihm ist die Konsilidierung dieser Schulden. Er förderte das Handwerk und zahlreiche Manufakturgründungen gehen auf ihn zurück, so unter anderem eine Fayecerie, eine Woll- und Stuckmanufaktur und eine Damastweberei. In Brückenau lies er die Salzwasserquellen fassen und begründete so den Kurbetrieb.

Aufgrund seines Interesses an Architektur und seines zeichnerischen Geschickes hat Amand die Entwürfe seiner wichtigsten Bauvorhaben selbst gezeichnet. Zu den wichtigsten vom ihm in Auftrag gegebenen Bauten zählt der Ausbau des Schlosses Fasanerie südlich von Fulda. Zahlreiche Landpfarreien bekamen unter seiner Herrschaft ein neues Kirchengebäude oder eine Kirchenrenovierung.

Amand wirkte aktiv an der Krönungszeremonie der Kaiserin Maria Theresia mit. Unter seiner Regierung wurde aus der Fürstabtei Fulda ein Bistum.

Verbindungen zum Busecker Tal, dessen Ganerbe auch er war, und zu den lutheranischen Verwandten sind immer wieder festzustellen.

Amand starb am Morgen des 4. Dezember, um 3 Uhr, im Schloss Fasanerie in Eichenzell an einem Steckfluß (Asthma). Am Abend zuvor war er dort, von Fulda kommend, eingetroffen um in Ruhe verschiedene Angelegenheiten zu regeln.

Noch am selben Tag wurde er dort einbalsamiert und aufgebahrt. Der Dom-Capitular Ferdinand Zobel von Giebelstadt in der Kapelle eingesegnet. Am 5. Dezember traf aus Fulda der Trauerwagen ein, mit dem Amand unter Glockengeläut und in Begleitung zahlreicher Begleiter nach Fulda gebracht wurde. Sein Herz, in eine silberne Kapsel gebettet, folgte in Begleitung des Geheimen Rats und Oberstallmeister, dem Freiherren Adolph Franz v. Buttlar und zweier Cavaliers im hochfürstlichen Leibwagen, der von 6 Pferden gezogen wurde, dem Trauerwagen nach Fulda. Die silberne Kapsel mit dem Herzen lagerte auf der rechten Seite des Wagens, auf einem Kissen aus schwarzem Samt und mit einem Flor verhüllt.
In Fulda wurde der Trauerzug gebührend empfangen. Während die Hochfürstliche Intestina (Eingeweide) sogleich in der Domkirche bestattet wurden, wurde sein Leichnam in der Kapelle aufgebahrt.

Epitaph von Amand v. Buseck

Eptiaph von Amand v. Buseck
(c) Heimatkundlicher Arbeitskreis Buseck e. V.

Aufbahrung Amand v. Buseck

Bild aus: Der In dem Weege der Wahrheit und Gerechtigkeit Geliebte des Herren Amandus, Das ist: Der von hohen Tugenden und Fürstlichen Thaten gepriesene ewiger Gedächtnus-würdige Lebens-Wandel Weyland Des Hochwürdigsten Fürsten und Herren Herren Amandi, Ersten Bischoffen Wie auch Abbten zu Fulda …

Die Hofkapelle war mit schwarzem Tuch behangen und am Altar und um die Thumbam waren die Wappen der 16 adligen Ahnen angebracht. Weiße Wachskerzen in silbernen Leuchtern brannten um den Leichnam. Das Herz Amands stand auf einem schwarz bedeckten Tisch. So blieb der Leichnam bis zum 13. Dezember auf der Parade-Bühne aufgebahrt. Am Abend dieses 13. Dezembers wurde der Leichnam unter der Beleuchtung von 16 Creutz-Fackeln, woran die Hochadelichen Stammwappen mit Flor behangen angebracht waren, und vieler hundert Flambeaux und schwarzer Wachsfackeln in die Domkirche gebracht und dort begraben. Wiederum war Adolph Franz v. Buttlar der Begleiter des Hochfürstlichen Herzens. Er trug es auf dem samtenen Kissen mit herabhängendem Flor vor dem Leichnam her.
Die Heilige Messe für Amand fand am 10. März 1757 statt.

Belege:

Die Beleglage zu Amand v. Buseck ist äußerst umfangreich und kann hier nur in Auswahl dargestellt werden.

1701-1713
Aufnahme der vier unmündigen und unehelich erzeugten Kinder des + Philipp Franz v. Buseck unter die Ganerben des Busecker Tal
HStAD E 12 Nr. 29/12

1705 Juni 25, Großen-Buseck
Johann Gottfried v. Fechenbach zu Sommerau, Friedrich Ludwig Schenk v. Schweinsberg, hochfürstlich fuldaischer Capitaine, bekunden: Auf Bitten der Gebr. Friedrich Franz Ludwig, Ernst, Johann Christoph und Christian Ludwig, Söhnen des verst. Philipp Franz v. Buseck, haben sie auf einem zur Aufnahme in die Ganerbschaft Buseckertal angesetzten Tag eidlich bezeugt, dass diese durch die vier Ahnen von ihrer Mutter her, der Maria Antonia Amalia v. Buseck geb. v. Fechenbach, edel und zum Schild und Helm geboren sind. Da sie aber noch minderjährig sind, sollen sie erst nach Erlangung der Volljährigkeit vereidigt und in die Ganerbschaft aufgenommen werden.
Siegler: Aussteller
HStAD F 28 Nr. 57 Bl. 53 – 54: Abschrift, beglaubigt 1791, Papier; Regest nach Battenberg

1705 Juni 25, Großen-Buseck
Adolf Reinhard und Ludwig Balthasar Philipp v. Nordeck zur Rabenau bekunden: Auf Bitten der Gebr. Friedrich Franz Ludwig, Ernst, Johann Christoph und Christian Ludwig, Söhnen des verst. Philipp Franz v. Buseck, haben sie auf einem zur Aufnahme in die Ganerbschaft Buseckertal angesetzten Tag eidlich bezeugt, dass diese durch die vier Ahnen von ihrem Vater her edel und zum Schild und Helm geboren sind. Da sie aber noch minderjährig sind, sollen sie erst nach Erlangung der Volljährigkeit vereidigt und in die Ganerbschaft aufgenommen werden.
HStAD F 28 Nr. 57 Bl. 37 – 37v: Abschrift, beglaubigt 1791, Papier; Regest nach Battenberg

1706 Mai 14, Wien
Kaiser Joseph [I.] bekundet: Bonifacius, Volprecht Ludwig, Wilhelm Moritz, Georg Friedrich Kraft, Friedrich Ludwig, Georg Ludwig, Friedrich [Philipp] Moritz, Johann Reinhard, Johann Balthasar [Ludwig], Johann Philipp, Johann Eitel, Ernst, Christian Ludwig und Johann Christoph, sämtlich Ganerben v. Buseck, haben um eine Erneuerung des vom Reiche zu Lehen gehenden Buseckertals gebeten, wie es vorher von dem verstorbenen Kaiser Leopold I. verliehen worden ist. Auf diese Bitte hin hat er das gen. Lehen erneuert. Daraufhin hat Wilhelm Moritz Mönch v. Buseck namens der übrigen Ganerben den Lehnseid geleistet. – Kanzleivermerk: Ad mandatum Sacrae Caesareae Maiestatis proprium C. F. Consbruck
HStAD Bestand B 14 Nr. 120

1712 November 5
Amandus v. Buseck, Domherr des Stifts Fulda, beschwört die Aufnahme in den Burgfrieden der Ganerbschaft Buseckertal gemäß den alten und neuen Burgfriedensbriefen.
HStAD B 14 Nr. 65 Bl. 4: Vermerk auf Urk. von 1602 Dezember 6, mit Unterschrift; Regest nach Battenberg

1717 Dezember 24, Wien
Kaiser Karl VI. bekundet: Wilhelm Moritz, Friedrich Ludwig, Georg Ludwig, Amandus, Friedrich Philipp, Johann Reinhard, Johann Eitel, Ernst Johann Philipp, Johann Christoph und Christian Ludwig, Gebr., und Vettern, Vierer und Ganerben zu Buseck, haben um eine Erneuerung des vom Reiche zu Lehen gehenden Buseckertals gebeten, wie es vorher von dem verst. Kaiser Joseph I. verliehen worden ist. Auf diese Bitte hin hat er das gen. Lehen erneuert. Daraufhin hat Ernst Johann Philipp v. Buseck namens der übrigen Ganerben den Lehnseid geleistet.
Siegler: Aussteller (mit kaiserlichem anhangenden Sg.)
Kanzleivermerk: Ad mandatum Sacrae Caesareae Maiestatis proprium E.F. v. Glandorf manu propria
HStAD B 14 Nr. 125: Ausf., Perg., an schwarz/goldener Seidenschnur anhang. rotes Majestätssiegel in naturfarbener Wachsschale gut erhalten. Unterschrift des Kaisers und Viditvermerk des [Reichsvizekanzlers] Friedrich Karl v. Schönborn, Regest nach Battenberg

1729 August 12, Großen-Buseck
Die Vierer und Ganerben des Buseckertals, namentlich Wilhelm Moritz Mönch v. Buseck, der Fuldaer Dekan Amand v. Buseck, auch namens seiner Brüder Johann Christoph und Christian Ludwig, sodann Friedrich Ludwig Mönch v. Buseck, Georg Ludwig Brand v. Buseck, Friedrich Moritz Brand v. Buseck, Johann Reinhard Brand v. Buseck, Johann Eitel Brand v. Buseck, Ernst Johann Philipp Hartmann v. Buseck, Georg Wilhelm v. Buseck und Johann Moritz v. Buseck, bekunden: Sie haben sich zur Erhaltung ihres Burgfriedens von 1602 [Dezember 6] miteinander verglichen. In elf Artikeln werden unter Protest gegen die Eingriffe der Landgrafen v. Hessen-Darmstadt die Kompetenz der Pfarrer und Schulmeister im Buseckertal, der Gebrauch des ganerbschaftlichen Siegels, die Kompetenz der Gerichtsschreiber und des Schöffengerichts, die Angelegenheiten der Landmiliz, des gemeinschaftlichen Archivs, die Zusammenkünfte der Vierer und die Einhaltung der Burgfrieden geregelt.
Siegler: Aussteller
HStAD F 28 Nr. 38: Ausf., Papierlibell, 10 hinten aufg. Sgg. (Ringpetschaften) und Unterschriften; Regest nach Battenberg


Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Literatur:
J. Friedrich Battenberg (Bearbeiter), Archiv der Familie von Buseck und der Ganerbschaft Buseckertal (Bestände B 14 und F 28). Darmstadt 2000
Ordentlicher Leich-Conduct Weyland Des Hochwürdigsten Fürsten und Herrn Herrn Amandi, Bischoffen und Abbten zu Fulda …; Fulda [1757]
Joachim Conrad: Amand von Buseck. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Band 23, Nordhausen 2004 Sp. 182–187
Kolbinger: Der In dem Weege der Wahrheit und Gerechtigkeit Geliebte des Herren Amandus, Das ist: Der von hohen Tugenden und Fürstlichen Thaten gepriesene ewiger Gedächtnus-würdige Lebens-Wandel Weyland Des Hochwürdigsten Fürsten und Herren Herren Amandi, Ersten Bischoffen Wie auch Abbten zu Fulda … Bey Höchst Deroselben Leich Besingnuß an einem herzlichen Trauer-Gerüste abgeschildert, Und in einer Leich- und Ehren-Rede Den 10. Mertz 1757 ; In der hohen Dom-Kirche ad S. Salvatorem zu Fulda, Fulda 1757
Josef Leinweber: Die Fuldaer Äbte und Bischöfe, Frankfurt a.M. 1989 S. 155 – 157


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