Der Troher Lehnshof in Alten-Buseck

Lage/Anschrift: 35418 Buseck-Alten-Buseck, An der Zaunburg
Zustand: abgerissen
Ersterwähnung: 1469
Belege

Bild einfügen

Die meisten Burgen (Adelshäuser) in Alten-Buseck gehörten der Familie v. Buseck.
Doch auch die Familie v. Trohe war hier früh begütert. Im Jahr 1469 tragen die Brüder Matthes, Oswald, Simon und Michel v. Trohe ihr Haus in Alten-Buseck, welches sie von ihren Vorfahren geerbt haben 1Hierbei dürfte es sich um Emmerich v. Trohe d. Ä und Emmerich v. Trohe d. J. handeln. Wie der Stammtafel zu entnehmen ist, scheint von den beiden bekannten Söhnen Emmerich v. Trohes d.Ä. nur einer – Emmerich d.J. – die Familie fortgesetzt zu haben. So erscheint es logisch, dass das Anwesen später in der Hand von dessen Söhnen war., mit allen Rechten und Zugehörungen dem Landgraf Heinrich III. von Hessen zu Lehen auf. 2HStAD A 5 Nr. 423/17 Bis 1636, dem Todesjahr von Johann Georg v. Trohe, einem Nachfahren des oben genannten Bruders Oswald v. Trohe, verblieb das Lehen des Hauses in Alten-Buseck in der Familie v. Trohe. 3HStAD F 28 Nr. 9

Aus dem Jahr 1593 liegt eine Beschreibung des Lehens vor. 4HStAD E 12 Nr. 24/1 Es wird ein Burgsitz zu Alten-Buseck beschrieben, worauf ein kleines Haus steht mit einem daran liegenden Wassergraben. Das Wohnhaus von 1593 steht mit einer Seite am Wassergraben und mit dem anderen Ende am Baumgarten. Auf dem Platz beim Wohnhaus steht zudem ein Schweinestall und eine Scheune mit weiteren Ställen. Dabei ein Hofgarten stößt ebenfalls an den Wassergraben, ein Küchengarten und ein weiterer Garten stoßen mit einer Seite auf die Stegk gaßen – die Steingasse.
Diese Beschreibung lässt sich noch in einem Luftbild von 1935 wiederfinden, wo zwischen Steingasse und Schwarztorweg eine Erhöhung mit einer u-förmigen Umrandung hin. Einer verfallenen Motte mit Wassergraben. Noch heute erinnern sich ältere Alten-Busecker daran, im Winter im alten Burggraben auf dem Eis gelaufen zu sein.
Um 1949 wurde die Motte eingeebnet und zum Baugebiet. Die ersten Wohnhäuser entstanden um 1950. Eine durch das Areal verlaufende Straße trägt den Namen „An der Zaunburg„.
Im Zuge eines Neubaues erfolgte in 2018 eine archäologische Baubegleitung. Dabei stießen die Archäologen auf Grundmauern eines mittelalterlichen Wirtschaftsgebäudes.

Nach dem Tod von Johann Georg v. Trohe fiel das Lehen an den Landgrafen zurück. In der Folge belehnte er damit verschiedene Adelsfamilien.

Geschichte der Familie v. Trohe als Lehnsnehmer des Anwesens

1469Die Brüder Oswald, Michael, Matheus und Simon v. Trohe tragen 1469 das bis dato Allodial gewesene Anwesen dem Landgrafen zu Lehen auf. In der Folgezeit tauchen dann Lehnsurkunden darüber auf.
1490Oswald v. Trohe 5HStAD E 14 G Nr. 2/1; Revers: HStAD A 5 Nr. 423/22 – In diesem Jahr taucht nur noch Oswald v. Trohe in der Lehnsurkunde auf. Der Bruder Matheus ist wahrscheinlich verstorben. Er taucht in den Quellen nach 1471 nicht mehr auf. Die beiden anderen Brüder, Simon und Michel, sind dem Deutschen Orden beigetreten und ins Baltikum ausgewandert. Durch den Eintritt in den Deutschen Orden verlieren/verzichten sie (auf) ihre Ansprüche auf das heimische Erbe. Sie wurden i.d.R. beim Eintritt ausgezahlt.
1561Philipp v. Trohe lebte in diesem Jahr mit seiner schwangeren Frau in der Burg in Alten-Buseck. Georg lebte derweil wahrscheinlich in Burkhardsfelden.
15686erwähnt in HStAD G 31 C Nr. 29/21; Wortlaut in HStAD E 12 26/6Die Brüder Georg und Philipp v. Trohe, Helfrichs sel. Söhne
15937HStAD E 12 Nr. 24/1Vor dem Jahre 1593 scheint der Besitzer Philipp v. Trohe gewesen zu sein, denn er wird im Meßbuch des Anwesens als verstorbener Eigentümer genannt.
1604Nach Tod seines Vaters Georg und dessen Bruder Philipp v. Trohe bittet Hans Georg v. Trohe 1604 um Belehnung mit der Behausung zu Alten-Buseck (die sie seit Menschengedenken als Mannlehen innehatten) und dem Zehnten zu Pohlheim: Es gab 1605 8HStAD G 31 C Nr. 29/21, Fiche 471 Probleme mit der Belehnung. Scheinbar fehlten alte Unterlagen und man wusste nicht wie die Lehen aussahen und von wem sie kamen. Eine von Hans Georg und seinem Vormund Werner v. Hesinkhausen beantragte Belehnung hat sich wohl verzögert.
1636-1662Als Hans Georg v. Trohe im Jahre 1636 stirbt, darf die Gattin Elisabetha, geb. Stümmel zu Lindheim, weiterhin das Haus in Alten-Buseck bewohnen. Sie hatte das Anwesen als Witwenversorgung erhalten und muss es, solange sie dort lebt in Bau uns Besserung halten. Sie lebt im Jahre 1662 noch. 9HStAD E 12 Nr. 24/1

Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Literatur:
J. Friedrich Battenberg: Archiv der Familie von Buseck und der Ganerbschaft Busecker Tal. (Bestände B 14 und F 28) (1265) 1332-1913; Darmstadt 2000 – mit Stammtafeln von Elke Noppes
Johannes Bickel: Das Dorf Alten-Buseck, 2. Aufl. Gießen 1971
Wilhelm Lindenstruth, Der Streit um das Busecker Tal. Ein Beitrag zur Geschichte der Landeshoheit in Hessen, MOHG NF 19/1911
Wolfgang Müller: Die althessischen Aemter im Kreise Giessen: Geschichte ihrer territorialen Entwicklung, Marburg 1940


  • 1
    Hierbei dürfte es sich um Emmerich v. Trohe d. Ä und Emmerich v. Trohe d. J. handeln. Wie der Stammtafel zu entnehmen ist, scheint von den beiden bekannten Söhnen Emmerich v. Trohes d.Ä. nur einer – Emmerich d.J. – die Familie fortgesetzt zu haben. So erscheint es logisch, dass das Anwesen später in der Hand von dessen Söhnen war.
  • 2
    HStAD A 5 Nr. 423/17
  • 3
    HStAD F 28 Nr. 9
  • 4
    HStAD E 12 Nr. 24/1
  • 5
    HStAD E 14 G Nr. 2/1; Revers: HStAD A 5 Nr. 423/22
  • 6
    erwähnt in HStAD G 31 C Nr. 29/21; Wortlaut in HStAD E 12 26/6
  • 7
    HStAD E 12 Nr. 24/1
  • 8
    HStAD G 31 C Nr. 29/21, Fiche 471
  • 9
    HStAD E 12 Nr. 24/1
Nach oben scrollen